DIN EN 179 oder DIN EN 1125: welcher Fluchttürverschluss in welches Gebäude
Zwei Normen, ein Zweck, aber unterschiedliche Gebäude. Wer die beiden verwechselt, merkt es im schlechtesten Moment: wenn im Ernstfall eine Tür nicht so aufgeht, wie es die anwesenden Personen erwarten. Dieser Beitrag klärt, welche Norm für welches Gebäude gilt.
Der entscheidende Unterschied: kennen die Nutzer den Fluchtweg?
Beide Normen regeln Verschlüsse für Türen im Rettungsweg, beide sind seit 2008 unverändert im Ausgabestand. Der Unterschied liegt in der angenommenen Nutzergruppe.
| Norm | Bezeichnung | Vorgesehen für |
|---|---|---|
| DIN EN 179 | Notausgangsverschluss | Bereiche, in denen eine Paniksituation unwahrscheinlich ist, weil die Nutzer den Fluchtweg kennen. Typisches Beispiel: Bürobereich. |
| DIN EN 1125 | Paniktürverschluss | Gebäude mit Publikumsverkehr, in denen eine Paniksituation wahrscheinlich ist und die Nutzer den Fluchtweg im Zweifel nicht kennen. |
Bei einem Paniktürverschluss nach DIN EN 1125 muss die Freigabe mit einer einzigen Betätigung möglich sein, auch unter einer Vorlast von 1.000 Newton, wie sie bei einer drängenden Menschenmenge entsteht, und ohne dass die Person den Mechanismus vorher kennen muss. Ein Notausgangsverschluss nach DIN EN 179 darf dagegen etwas mehr Bedienkenntnis voraussetzen, weil die Nutzer im Bürobereich den Weg und den Griff kennen.
Die harte Grenze: Für Gebäude mit Publikumsverkehr, etwa Versammlungsstätten oder Verkaufsstätten mit entsprechendem Besucheraufkommen, ist EN-179-Ware nicht zugelassen. Büro und Gewerbe ohne Publikumsverkehr: ja. Versammlungsstätte und Verkaufsstätte mit Publikumsverkehr: nein, dort ist DIN EN 1125 gefordert.
Systemregel: keine losen Einzelteile
Bei beiden Normen gilt dieselbe Grundregel: Schloss, Beschlag und das gesamte Zubehör müssen als Einheit geprüft, zertifiziert und gekennzeichnet sein und dürfen ausschließlich in genau dieser geprüften Kombination montiert werden. Die Normkonformität gilt für die geprüfte Einheit, nicht für eine beliebige Zusammenstellung passender Einzelteile. Wer einen zertifizierten Zylinder mit einem nicht dazu geprüften Schloss kombiniert, hat am Ende keine zertifizierte Lösung mehr, selbst wenn beide Teile für sich genommen normgerecht sind.
Was das für unser Sortiment bedeutet
Unsere Antipanik-Zylinder (SLS-71, SLS-73 und die übrigen Bauformen) sind für Anwendungsfälle nach DIN EN 179 vorgesehen, also für Büro- und Gewerbebereiche ohne Publikumsverkehr. Ob und für welche konkrete Konstellation zusätzlich eine Zulassung nach DIN EN 1125 vorliegt, ist produktabhängig und muss vor dem Einsatz in einem Gebäude mit Publikumsverkehr anhand der aktuellen Herstellerdokumentation geprüft werden. Ergänzende Bauteile wie der Türwächter TW4 oder der Panik-Taster PT01 sind Melde- beziehungsweise Bedienkomponenten, sie ersetzen keine normkonforme Verschlusseinheit und begründen für sich genommen keine EN-179- oder EN-1125-Konformität.
Im Zweifel vorher fragen. Ob Ihr Gebäude als Publikumsverkehr im Sinne der Norm gilt und welche Verschlusslösung dafür infrage kommt, klären wir als Partner für Errichter gern vorab, bevor bestellt wird. Telefon 07136 9620430.
Passende Artikel im Sortiment
- SLS-71 Antipanik-Schließzylinder
- SLS-73 Antipanik-Dual-Schließzylinder
- TW4 Intelligenter Türwächter
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