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Einbruchmeldeanlage über die Zutrittstechnik schalten: vier Wege im Vergleich

Wer Zutrittstechnik und Einbruchmeldetechnik in einem Objekt verbaut, steht früher oder später vor derselben Frage: Wie spielen beide zusammen, ohne dass der Kunde zwei Medien mit sich herumträgt und ohne dass Falschalarme entstehen? Dieser Beitrag stellt die vier technischen Wege gegenüber, die sich in der Praxis bewährt haben, und zeigt, welcher zu welcher Tür passt.

Warum die Kopplung überhaupt sinnvoll ist

Es gibt drei Gründe, und nur einer davon ist Bedienkomfort.

Der erste ist die Zwangsläufigkeit. Eine Einbruchmeldeanlage soll sich nicht scharf schalten lassen, solange nicht alle Zugänge verschlossen sind, und ein Berechtigter soll nicht versehentlich in einen scharfen Bereich laufen. Wenn die Zutrittstechnik den Türzustand ohnehin kennt, kann sie genau das sicherstellen.

Der zweite ist die Vermeidung von Falschalarmen. Wer die Anlage über ein separates Bedienteil schaltet und dann durch eine Tür geht, die davon nichts weiß, erzeugt genau die Alarme, die dem Betreiber irgendwann das Vertrauen in seine Anlage nehmen.

Der dritte ist die Nachvollziehbarkeit. Wenn dieselbe Berechtigung Tür und Anlage steuert, steht im Protokoll, wer wann geschaltet hat. Das ist im Streitfall mehr wert als jede Erinnerung.

Zwei Betriebsarten, die man auseinanderhalten muss

Bevor es um die einzelnen Wege geht, ist eine Unterscheidung wichtig, die in Ausschreibungen regelmäßig untergeht. Die elektronische Zutrittstechnik kann gegenüber der Alarmanlage zwei völlig verschiedene Rollen einnehmen.

Betriebsart A: Schalten über Relais

Das Zutrittsgerät schaltet die Einbruchmeldeanlage aktiv scharf und unscharf. Der Berechtigte hält seinen Transponder vor, die Tür wird freigegeben und die Anlage wechselt den Zustand. Ein Kontakt der Zutrittsseite geht dazu auf einen Eingang der Alarmzentrale.

Betriebsart B: virtuelles Sperrelement

Das Zutrittsgerät schaltet nichts, es verhindert nur die Türöffnung, solange die Anlage scharf ist. Geschaltet wird an anderer Stelle, etwa über ein Bedienteil der Alarmanlage. Die Zutrittsseite sorgt allein dafür, dass niemand versehentlich in den scharfen Bereich gelangt.

Der Aufwand ist deutlich geringer. Beim Smartloxx-Weg genügt für diese Stufe die Auswerteeinheit und ein einzelnes Funksignalmodul, das den Bereichszustand meldet. Der Universaltransmitter für die Gegenrichtung entfällt komplett.

Begriffe sauber halten: Betriebsart B wird umgangssprachlich oft als Blockschloss-Funktion bezeichnet. Ein Blockschloss im Sinne der Fachdefinition ist aber eine Schalteinrichtung, die Eingabe, Auswertung und Sperre in einem Gerät vereint, also beides tut. Wer beides gleichsetzt, kommt bei der Planung von Fluchtwegtüren zu falschen Ergebnissen, weil dort sehr genau unterschieden wird. Der treffendere Begriff ist virtuelles Sperrelement.

Alle drei elektronischen Wege aus unserem Sortiment beherrschen beide Betriebsarten. Die Entscheidung fällt also nicht über das Produkt, sondern über das Bedienkonzept und über die Frage, ob die Installation normkonform sein muss.

Ohne EN-50131-Zertifizierung bleibt nur Betriebsart B. Der Wunsch, direkt über einen elektronischen Schließzylinder scharf und unscharf zu schalten, kommt in der Praxis häufig. Solange die schaltende Komponente keine Zertifizierung nach DIN EN 50131 trägt, ist das aber keine normkonforme Installation, sondern eine reine Komfortlösung. Wer die Anlage nach Norm errichten muss, kann solche Komponenten nur als virtuelles Sperrelement einsetzen: Sie schalten dann nichts, sondern verhindern lediglich die Türöffnung im scharfen Zustand. Geschaltet wird an einer dafür vorgesehenen Schalteinrichtung.

Diese Grenze gehört ins Angebot und ins Übergabeprotokoll, nicht erst ins Abnahmegespräch. Sie entscheidet mit darüber, welche Betriebsart überhaupt zur Wahl steht.

Weg 1: ELOCK2 Funk-Schlösser mit dem Universalschaltmodul FM83

Die Automatikschlösser der 6er-Serie senden ihre Berechtigung per Funk an das Schaltmodul FM83, das die Verbindung zur Alarmzentrale herstellt. Zwischen Tür und Zentrale wird also nicht verkabelt.

Das ist der Weg mit dem geringsten Installationsaufwand und deshalb besonders für Nachrüstungen im Bestand geeignet. Zur Verfügung stehen Vollblatt, Rohrrahmen, Mittelfallen und Beschlagschloss, dazu der Funk-Schließzylinder SLS-61.FS, wenn kein Schloss getauscht werden soll. Varianten mit Taster erlauben die Bedienung direkt an der Tür.

Für diesen Weg stehen zwei Anleitungen bereit:

Weg 2: ELOCK2 Automatikschlösser mit dem Lineartüröffner MTK65

Hier übernimmt der MTK65 das motorische Ver- und Entriegeln der Tür. Die Automatikschlösser der 2er-Serie sind dafür vorbereitet. Angesteuert wird über Fremdsysteme, das Schloss V3 ist ausdrücklich für die externe Ansteuerung ausgelegt.

Dieser Weg passt, wenn ohnehin verkabelt wird, wenn die Tür motorisch betätigt werden soll oder wenn eine übergeordnete Steuerung die Türfreigabe übernimmt. Er ist aufwendiger als Weg 1, dafür unabhängig von Funkstrecken und Batterien.

Weg 3: Smartloxx Z1 mit der Auswerteeinheit multiControl

Der Z1 ist ein längenverstellbarer Zylinder, der ohne Eingriff ins Schloss auskommt. Die Auswertung liegt in der multiControl, die auch die Verbindung zur Alarmanlage herstellt.

Für JABLOTRON 100 gibt es mit MCJ-Easy und MCJ-Full fertige Koppelpakete, was den Projektierungsaufwand deutlich reduziert. Für andere Systeme steht die MC-Alarmbox als universelle Scharfschalteeinheit zur Verfügung. Der Zylinder ist in mehreren Überlängen erhältlich, was bei starken Türblättern oder Zusatzbeschlägen den Ausschlag geben kann.

Dieser Weg ist bei uns am ausführlichsten dokumentiert, für zwei Alarmsysteme jeweils mit vollständigem Anschlussplan:

In beiden Fällen arbeitet die multiControl im Betriebsmode 3. Das Relais RL1 übernimmt die statische Scharf- und Unscharfschaltung, RL2 gibt einen Türöffnerimpuls von sechs Sekunden, allerdings nur im unscharfen Zustand. Über die beiden Eingänge meldet die Anlage zurück, ob sie scharf und ob sie überhaupt scharfschaltbereit ist. Diese Rückmeldung ist der Punkt, an dem viele Kopplungen scheitern: ohne sie weiß der Zylinder nicht, ob er blockieren muss.

Weg 4: Tedee GO2 und PRO mit dem Dry-Contact-Modul

Die Motorantriebe GO2 und PRO sitzen auf dem vorhandenen Zylinder und drehen ihn motorisch. Das Dry-Contact-Steuermodul stellt zwei potentialfreie Ein- und Ausgänge bereit, über die sich die Alarmanlage anbinden lässt.

Potentialfreie Kontakte sind der systemunabhängigste aller vier Wege, weil praktisch jede Alarmzentrale einen freien Eingang hat. In Verbindung mit einem Keypad entsteht daraus eine vollständige Bedienung an der Tür. Der Türsensor meldet zusätzlich den tatsächlichen Türzustand zurück. Mehr dazu, einschließlich der Abgrenzung zu den anderen drei Wegen, im eigenen Beitrag zu Motorschloss und Koppelmodul.

Was die Entscheidung tatsächlich bestimmt

FrageKonsequenz
Kann zwischen Tür und Zentrale verkabelt werden?Wenn nein, führt der Weg über Funk (FM83) oder über potentialfreie Kontakte in Türnähe.
Soll das Schloss getauscht werden?Wenn nein, kommen Zylinderlösungen infrage: SLS-61.FS, Smartloxx Z1 oder die Tedee GO2 und PRO.
Welches Alarmsystem ist gesetzt?Für JABLOTRON 100 gibt es fertige Koppelpakete. Bei gemischten Beständen sind potentialfreie Kontakte die sicherste Wahl.
Soll die Tür motorisch öffnen?Dann führt der Weg über den Lineartüröffner oder einen Motorantrieb.
Liegt die Tür im Rettungsweg?Dann gelten zuerst die baurechtlichen Anforderungen, siehe unten.

Zwei Punkte, die vor der Planung geklärt sein müssen

Türen im Rettungsweg folgen anderen Regeln

Sobald eine Tür im Verlauf eines Rettungswegs liegt, entscheidet nicht mehr das Sicherungskonzept, sondern das Baurecht. Maßgeblich sind dann die Richtlinie über elektrische Verriegelungssysteme von Türen in Rettungswegen sowie die Normen für Notausgangs- und Paniktürverschlüsse. Diese Anforderungen gelten unabhängig davon, ob eine Einbruchmeldeanlage vorhanden ist.

Ein verbreiteter und teurer Fehler ist es, an einer solchen Tür ein Sperrelement einzusetzen. Das ist nicht zulässig, auch nicht mit Sollbruchstelle. Wie eine Fluchtwegtür stattdessen geplant wird, behandeln wir in einem eigenen Beitrag.

Zertifizierung: EN-Weg statt VdS-Weg

Die hier beschriebenen Zutrittskomponenten von ELOCK2, Smartloxx und Tedee tragen keine VdS-Anerkennung. Für Projekte, in denen VdS-Konformität vertraglich gefordert ist, etwa aufgrund einer Versicherungsauflage oder bei Aufschaltung zur Polizei, sind sie deshalb nicht der richtige Weg.

Unsere Einbruchmeldesysteme sind nach DIN EN 50131 zertifiziert, JABLOTRON 100 und SATEL Be Wave in Grad 2, Ksenia lares 4.0 in Grad 2 und Grad 3, einzelne Komponenten wie die Zentrale JA-108K ebenfalls in Grad 3. Für den weit überwiegenden Teil gewerblicher und privater Objekte ohne besondere Versicherungsauflage ist das der passende und übliche Weg.

Wenn Sie unsicher sind, welche Anforderung für Ihr Projekt tatsächlich gilt, hilft der Beitrag zur Abgrenzung von VdS und DIN EN 50131 weiter.

Im Zweifel vorher fragen. Die Kombination aus Türsituation, vorhandenem Alarmsystem und geforderter Sicherungsklasse entscheidet über den richtigen Weg. Wir beraten Sie als Partner für Errichter dazu vor der Bestellung, nicht erst danach. Telefon 07136 9620430.

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